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Die Nacht der besoffenen Jäger

besoffener jäger

Erst liegt die Sau, dann der Jäger!

Nach Einbruch der Dunkelheit sollten wir Waidmänner nicht allzu dolle besoffen sein, und das nicht nur wegen des in unserer Zunft besonders gefürchteten Bierdurchfalls, den man auf dem Hochstand kaum unter Kontrolle bekommt.

Wenn dem Jäger vor Suff die Ohren pfeifen und sich die Welt vor seinen Augen dreht, ist es sogar möglich, dass er Liebespärchen (die im Mondlicht auf der Lichtung vögeln) abknallt … oder sogar ganze Schulklassen zur Strecke bringt, die im Wald ihre jährliche Nachtwanderung abhalten.

Dennoch besteht für manchen Waidmann kein Anlass, beim nächtlichen Ansitzen die Finger von Schnaps und Bier zu lassen und das Saufabenteuer später stolz im Wild-und-Hund-Forum auszuposaunen:

Wir schreiben Samstag den 30.03.2002! Ich bin mal wieder Jagdgast in dem 1600 ha großen, landschaftlich herrlich gelegenen, Revier meines besten Freundes Michael. Nachdem durch andere Hand schon 2 Überläuferkeiler in der fast vergangenen Woche zur Strecke gekommen sind, will ich mein Glück auch noch einmal versuchen. Bei dem jetzt folgenden Ansitz wieder kein Schwarzkittel an der Kirrung oder am Waldrand auf dem Wildacker. Außer Rehwild ist bei diesem Ansitz nichts auszumachen. Ich schaue auf die Uhr – Mitternacht – na dann kann ich ja noch, denke ich. Auf einmal meldet sich mein Handy. Michael ist dran und fragt, wie lange ich noch sitzen will. Habe natürlich die Zeitumstellung vergessen. Ist ja jetzt schon 1:00 Uhr in der Nacht. Also abbaumen und zurück zur Hütte.

Nach einer Flasche Bier wollen wir zu Bett gehen, dieses dringende Vorhaben wird dadurch unterbrochen, dass ein Mitjäger eine Sau gestreckt hat. Also wieder Mantel und Stiefel an, raus in den Geländewagen und die Sau bergen. An der Hütte angekommen, erst einmal einen Schnaps auf das 40 kg schwere Keilerchen. Übrigens Sau Nr. 73 in diesem Jagdjahr. Trotz einer solchen Strecke gehen die Schwarzwildbestände auch in diesem Revier stetig nach oben. Eine ähnliche Entwicklung wie in unserem eigenen Revier in Bad Berleburg!

Nach getaner Arbeit wieder fertig machen für das Bett. Endlich! Doch kurz bevor man sich den Träumen hingeben darf, steht wieder einer unserer Mitjäger in der Tür. Sau liegt! Unglaublich was für eine Nacht! Also wieder rein in die Klamotten – Sau bergen. Das selbe Spiel. Jetzt wird nicht mehr an Schlafen gedacht. Noch 2 Stunden bis Sonnenaufgang. Also einige Biere, Schnäpse und interessanter Themen später mache ich mich auf den Weg zu einer Ansitzleiter im Wald, um den Sauen den Rückwechsel abzuschneiden!

Vor mir liegt eine ca. 10 m breite Schneise, ansonsten lückiger Fichtenbestand der stellenweise gut einzusehen ist. Nach kurzer Zeit bemerke ich auf der Schneise eine Bewegung. Hingeschaut – nichts zu sehen – wohl doch nur eine Täuschung. Zu wenig Schlaf denke ich mir und warte weiter ab. Ich schaue rechts von mir durch den Bestand. Auf einmal meine ich Läufe erkennen zu können. Denke an ein Stück Rehwild, doch auf einmal bin ich hellwach. Sauen, 1 stärkerer Überläuferkeiler vorweg. 2 kleinere ca. 20 m hinterher.

Ich fackele nicht lange und bringe meine Repetierbüchse in Anschlag. Wenn alles klappt könnte ich eine Dublette machen, denke ich. Also das erste Stück steht breit, das Absehen saugt sich auf ca. 60-70 m auf dem Teller fest. Normalerweise keine Stelle wo ich meine Kugel plaziere, jedoch bin ich mir meiner Leistung mit der Büchse bewusst und Schuss. Die Sau liegt im Feuer. Die anderen beiden verfallen nach dem Knall in einen Troll genau in die Richtung ihres verendeten Artgenossen. Schnell repetiert, mitgefahren und…. der Schuss ist raus. Im Feuer wirft das Überläuferchen nahezu einen Salto und liegt!!!

Nach kurzer Wartezeit schreite ich zu meinen beiden Ostersauen die mit gutem Schuss vor mir liegen. Am letzten Tag im Jagdjahr noch so ein unvorstellbares Glück zu haben kann ich gar nicht fassen. Meine Freude ist riesig. Mein Freund und ich bergen die beiden Stücke, versorgen sie und haben danach ein doch eher ungewöhnliches Osterfrühstück. Bestand zu großen Teilen aus Semmeln, Bier, Wein und vielen undefinierbaren Schnäpsen, aber zu so einem Anlaß – wer hätte sich da nicht unglaublich gefreut?

Wenigstens ein einziger Kollege („Wildschütz“) sieht das strafrechtlich relevante Verhalten des Forenusers „Saujäger“ im kritischen Licht:

Streit um besoffene Jäger

Dafür erntet er bei einem anderen Teilnehmer („Shorty“) jedoch keinen Beifall. Im Gegenteil, dieser findet nichts Schlimmes am asozialen, kriminellen Gebaren des „Saujägers“:

Betrunkener Jäger wird unterstützt

Na, dann: Prost … und weiterhin gute Jagd!

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Die Dreckschwein-Familie

Ich stand dem Dreckschwein Auge in Auge gegenüber!

Ich hocke auf dem Hochstand, die doppelläufige Uzi mit meinen wurstigen Greiffingern fest umschlossen. Es ist Frühdämmerung, aber mit meiner Nachtbrille sehe ich alles. Was ist das? Ein Geräusch! Es klingt, als ob meine Mutter aus ihrer Schnabeltasse schlürft. Nein, meine Mutter kann es nicht sein. Sie lebt im Altersheim und ich habe sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Vielleicht ist sie längst tot. Egal, ich habe jetzt Wichtigeres zu tun, als an diese nutzlose alte Frau zu denken. Ich beuge mich über die Reling … Dort unten, keine zehn Yards entfernt stehen Dreckschweine! Eigentlich heißen die borstigen Tiere Wildschweine, aber ich nenne sie im Stillen Dreckschweine. Was viele nicht wissen: Auch wir Jäger haben unseren Humor!

Es ist eine dreiköpfige Dreckschwein-Familie. Die Schweine-Frau nennt man „Zippe“, wegen der Nippel. Der Schweine-Mann heißt „Überläuferkeiler“, weil er manchmal über andere Zippen drüber geht. Dann noch ein „Fischling“. Das ist das Kind von Zippe und Überläuferkeiler. Die Wildschweinkinder stinken am meisten – daher „Fischling“.

Ich will die Dreckschwein-Familie erledigen, dazu bin ich fest entschlossen. Alle drei auf einmal will ich erschießen – so was nennt der Waldmann eine „Dublette“. Ich also hurtig über die Reling. Die drei Meter machen mir gar nichts aus. Katzen und Jägersleut’ kommen immer mit den Füßen zuerst auf, das wusste schon der alte Adam Riese. Nachdem ich den Kopf aus dem Morast gezogen habe, blicke ich mich verzweifelt um. Wo sind die Dreckschweine?

Aha, sie laufen gerade weg! Haben sie Lunte gerochen? Während ich darüber nachdenke, lege ich meine Smith & Wesson an. Sie ist sicherheitshalber mit Silberkugeln geladen. Man kann ja nie wissen. Mit meinem Ziel-Laser kann ich eigentlich nichts verfehlen. Trotzdem erschieße ich versehentlich einen Fliegenpilz. Na ja, kann mal passieren. Oder waren Sie etwa niemals jung?

Nun geht es weiter im Text. Ich renne hinter den Schweinen her. Fast haben sie das Unterholz erreicht. Das darf nicht geschehen! Im Wald darf ich sie nicht erlegen. Das wird uns Jägern vom BGB strengstens untersagt. Ich muss mich also beeilen. Spannung. Mein Herz rast. Kann ich es noch schaffen? Ich ziehe die Remington Steel durch, schieße meine Dublette. Folgendes passiert: Der Fischling wird „tranchiert“, das heißt in der Jägersprache: Es bleibt nichts von ihm übrig, außer Gulasch. Auch die zweite Kugel ist ein voller Erfolg. Der Überläuferkeiler, der Vater vom Fischling, wird „geständert“, das heißt, er kann nicht mehr weglaufen.

Aber die Zippe. Sie schlägt einen Haken (typisch für Rotwild), entkommt der Kugel und rennt zum Kartoffelfeld des Hackensteeder-Bauern, den ich vom Saufen her kenne. Waffenwechsel. Ich greife in meinen Köcher und tausche die Walther PKK gegen eine dreistufige Feldhaubitze. Die ideale Waffe, um quer über den Acker zu schießen. Drei Kartoffeln müssen dran glauben, bis die Sau (bzw. Zippe) liegt. Endlich sind sie alle tot. Die drei Dreckschweine habe ich an Ort und Stelle beerdigt. Die Kartoffeln für den Hackensteeder-Bauer wurden von mir bis heute nicht ersetzt. Ich möchte Sie, liebe Leser, bitten, diesbezüglich Stillschweigen zu bewahren. Danke.