Warum wurde der Waschbär vom Weihnachtsmarkt Erfurt zur Strecke gebracht?

Eine rein rhetorische Frage: Sind Waschbären eine Plage?

Und wieder einmal wird die sprichwörtliche Sau durchs Dorf getrieben. Ausgerechnet jene, die sich auf Weihnachtsmärkten mit Bratwürsten die Bäuche vollschlagen, regen sich künstlich darüber auf, dass ein eingefangener, sturzbetrunkener Waschbär nicht etwa in einem 1000 qm großen Tierpark-Gehege mit lebenslanger Alimentierung untergebracht wird, sondern stattdessen art- und waidgerecht von einem deutschen Jäger zur Strecke gebracht wurde.

Was war geschehen? Die „Thüringer Allgemeine“ schreibt:

„Er war binnen weniger Stunden zu einer kleinen Berühmtheit geworden: Der betrunkene Waschbär, der auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt vermutlich vom Glühwein genippt hatte. Doch für den Kleinbären, der für viel Heiterkeit unter den Passanten gesorgt hatte, nahm der Ausflug in die Stadt offenbar kein gutes Ende. Nach Informationen des Tierheims Erfurt wurde das Tier vom Stadtjäger mitgenommen und getötet. Am Samstag hatten sich zunächst Sicherheitsleute um das torkelnde und gar nicht scheue Tier gekümmert. Viele Besucher des Weihnachtsmarktes fotografierten und filmten den Waschbären. Kameraden der Berufsfeuerwehr Erfurt fingen das Tier ein. Nach ersten Informationen sollte er ins Tierheim gebracht werden.“

Sollte man den Schädling (wie die BILD-Zeitung korrekt konstatiert) zu Hunden ins Auslaufgehege stecken, oder gar in einen Käfig zu Hamstern oder anderen Kleinnagern? Damit hätte man die jahrelangen Bemühungen deutscher Jäger konterkariert, denn:

172.459 Waschbären wurden laut einer aktuellen Statistik des Deutschen Jagdverbands im Jagdjahr 2017/18 erschossen. Zum Vergleich: Zehn Jahre davor waren es nur 36.572 Tiere. Quelle

Eine hervorragende Leistungsbilanz der deutschen Jägerschaft also! Einige Zeitungen stellten in diesem Zusammenhang die – dümmliche – Frage, wie denn der Waschbär beseitigt worden sei.

Typisch deutscher Jäger

Karl Wegenpeter, der die deutsche Jägerschaft repräsentiert wie kein anderer!

Stellvertretend für das deutsche Jägertum soll hier Karl Wegenpeter zu Wort kommen, der sich im Laufe mehrere Jahrzehnte zu einem Fachmann für die Bejagung bereits in Gefangenschaft befindlicher Tiere etabliert hat:

„Also ich würde einen solchen Saubock (Anmerkung der Redaktion: „Saubock“ = jägerumgangssprachlich für einen Waldschädling, der sich lebend in der Gewalt eines deutschen Jägers befindet) in einer Stahl-Klammerung fixieren. So etwas muss man sich als übergroßen Schraubstock vorstellen, wo der Schädel des Saubocks dann eingeklemmt wird. Ein weiterer Schaden am Wald ist somit präventiv ausgeschlossen. Dann würde ich meine Waffenkammer durchforsten: Schuss- oder Stichwaffe? Fußfalle oder Giftköder? Das alles muss gut durchdacht sein … das kann Stunden oder sogar Wochen dauern. Welches Projektil wirkt wie auf welches Körperteil usw. ein? Wichtig ist jedenfalls, dass der Saubock auf lange Sicht nicht verhungert und man gar keinen Spaß mehr an der Sache hat.“

Wegenpeters Einwände sind so abwegig nicht: Treffen sich Jäger doch häufig auf einen Schluck Jagdlikör, oder sie versammeln sich zum Austausch von Erfahrungen mit der Freiwilligen Feuerwehr ihrer jeweiligen Ortschaft zu einem zünftigem Besäufnis. Der eingeklemmte Waschbär im heimischen Geräteschuppen kann da leicht zu einer unnötigen Belastung werden – man vergisst ihn und wichtige Erkenntnisse gehen somit verloren.

Die Geschichte mit dem „betrunkenen Waschbären“ nahm – wie die Medien berichteten – ein gutes Ende. Doch insgesamt zeigt sich, dass sich Schädlinge inzwischen inmitten der Zivilisation aufhalten und hierbei auf ein gewisses Mitgefühl der Bevölkerung zählen dürfen. Eine diesbezügliche Aufklärung ist zwingend notwendig.

Über Heribert Ranzmann

Ich bin ein Mann von echtem Schrot und Korn, und ein großartiger Jäger noch dazu!

Veröffentlicht am 10. Dezember 2019 in Herrliche Jagd, Horrortiere und mit , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Weltreisen Schorsch

    Weltreisen Schorsch sagt dazu nur: ein einziger Waschbär knalltot gemacht und gleich springt die Presse im Brimborium-Zirkus! 1, 5 Millionen Waschbären sind illegal eingewandert. Wer regt sich darüber auf?

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