Horst Stern und die Jäger

Horst Stern und die Jäger

Was denken Jäger über den verstorbenen Horst Stern?

Der deutsche Wissenschaftsjournalist, Filmemacher und Schriftsteller Horst Stern (*24.10.1922) starb am 17.01.2019. Ich weiß nicht, was Wissenschaftsjournalisten, Filmemacher und Schriftsteller so im Einzelnen machen, ob es sich dabei überhaupt um richtige Arbeit handelt. Richtige Arbeit, darunter versteh ich das, was Restaurantfachleute, Friseurmeister und Oberförster treiben. Auch eine Prostituierte hat gewiss kein leichtes Los.

Aber: „De mortuis nil nisi bene (sinngemäß: Über Tote nur Gutes)“, wussten schon die ollen Römer, bevor sie dann von den Hunnen vom Schlachtfeld gejagt und den Türken aus Konstantinopel geprügelt wurden. Also will ich in Bezug auf Horst Stern gern voraussetzen, dass Wissenschaftsjournalisten, Filmemacher und Schriftsteller einer Tätigkeit nachgehen, die für die Gesellschaft einen Mehrwert hat. Welchen auch immer.

Was jedoch hatte der Verstorbene mit der Jägerei zu tun? Laut Wikipedia war Horst Stern während des Zweiten Weltkrieges Fallschirmjäger in Nordafrika. Wie viele Fallschirme er dabei erlegt hat, erwähnt Wikipedia nicht. Möglicherweise gab dort unten gar nicht so viele Fallschirme, wie das Oberkommando der Wehrmacht ursprünglich angenommen hatte … und Horst Stern ging leer aus. Der arme Kerl! Oder die Sache mit den „Fallschirmjägern“ verhält sich so wie die mit dem „Hundekuchen“, wo im Kuchen ja auch gar kein Hund drin ist. Wer weiß?

Die Wikipedia-Rubrik „Beruflicher Werdegang“ attestiert dem werten Verblichenen eine gewisse Unstetigkeit, die meiner Meinung nach bei manch einem Personalchef, wenn er solch einen Lebenslauf auf dem Schreibtisch hätte, keinen allzu guten Eindruck hinterlassen würde. Und bei mir verstärkt Sterns „berufliche Werdegang“ das Vorurteil, dass eigentlich jeder Hans und Franz Wissenschaftsjournalist, Filmemacher und Schriftsteller werden kann …  ganz ohne Qualifikationen. Ein Restaurantfachmann, Friseurmeister oder Oberförster muss hingegen eine bestandene Prüfung mit dazugehöriger Urkunde nachweisen

Aber das Thema hatten wir ja schon. Die wichtigste Passage in der Wikipedia ist sowieso diese hier:

Ende des Jahres 1971 sorgte Stern mit den Bemerkungen über den Rothirsch, sein „provokantestes, polemischstes und wirkungsvollstes Journalistenstück“, das ausgerechnet Heiligabend in der ARD ausgestrahlt wurde, für einen Skandal. Der Film schlug „dem ganzen tiernärrischen Fernsehvolk aufs Gemüt“, weil er „zur Rettung des deutschen Waldes“ zum verstärkten Abschuss dieser Tiere aufgerufen hatte. Sein Schlusswort „Ich meine, dieses ernste Thema war eine knappe Stunde Ihrer stillsten Nacht des Jahres wert. Man rettet den deutschen Wald ja nicht, indem man ‚O Tannenbaum‘ singt.“

Aha! In den 70er-Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts hatte Horst Stern – wie viele andere seiner Zeitgenossen auch – erkannt, dass es den deutschen Wald bald nicht mehr geben würde. Schuld daran war Horst Sterns Meinung nach – jawoll! – der Rothirsch! Horst lag mit seiner tapferen Prophezeiung richtig, das Rotwild wurde in der Folge verstärkt bejagt, der Wald dadurch gerettet. Heute kann man von Glück sagen:

Zwischen 1992 und 2008 sei die Waldfläche in Deutschland „pro Jahr durchschnittlich um 176 Quadratkilometer gewachsen“, meldet das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Das entsprich in etwa der Fläche der Stadt Karlsruhe. (Quelle)

Ein solch enormes Wachstum wäre mit dem Rothirsch nicht zu machen gewesen, das ist ja wohl jedem vernünftig denkenden Menschen klar.  Hier handelt es sich also um einen der ganz großen Verdienste des Horst Stern! Ohne ihn würde es den deutschen Wald nicht mehr geben. Danke, Horst!

Wir lesen in der Wikipedia aber auch:

…Fachleute wie Förster oder Jäger, an deren Verantwortung zu appellieren er nicht müde wurde, machte er sich selten zum Freund…

Also, wenn ich heute einen Jagdgenossen, Hobbyjäger oder Wilderer nach Horst Stern frage, dann bekomme ich regelmäßig zur Antwort: „Hä? Wer is’n das? Wer soll’n das sein?“

Der Jäger von heute hat noch nie was von dem Mann mit der krächzenden Stimme gehört. Peinlich. Macht aber trotzdem nichts. Selbst wenn der Wald stetig um etliche Quadratkilometer wächst (was er bereits zu Horst Sterns Zeiten tat, statt zu sterben), so sind wir Jäger dennoch weiterhin fleißig darum bemüht, möglichst viele Tiere aus dem Wald zu entfernen.

Horst, da kannste ganz beruhigt sein, dort droben auf deiner Wolke: Wir hier unten schießen weiter!

Weidmannsdank, dein

Heribert Ranzmann

Horst Stern rief 1971 am Heiligabend zum Abschuss des Rothirsches auf um den deutschen Wald zu retten

Über Heribert Ranzmann

Ich bin ein Mann von echtem Schrot und Korn, und ein großartiger Jäger noch dazu!

Veröffentlicht am 25. Januar 2019 in Jagd intern und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Das ist wohl ein allgemeines Problem, wenn sich Journalisten als Experten für alles fühlen. Richtige Fachjournalisten findet man mitunter noch in Wissenschaftsmagazinen, hier aber auch fast nur in den Printmedien. Was Horst Stern angeht, so habe ich seine seine Sendungen damals immer gern gesehen. Seine Abschussempfehlung für den Rothirsch fand ich allerdings bizarr, um es mal so zu sagen.

  2. Was hat der ranzige Ranzmann so tolles geleistet? Ist Jäger etwas, dass ersich unter Handwerk vorstellt? DJV = Dumme Jammernde Vollassis

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