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Radfahrerin behinderte Entenjagd!

Am 14.09.2015 ging ein Lübecker Jäger seiner redlichen Tätigkeit nach:

Er machte Jagd auf Enten, hatte morgens um kurz vor 9 Uhr einen Vogel im Visier. Als er das Gewehr abfeuerte, nahm das Unglück seinen Lauf: Statt des Wildtiers musste eine […] Passantin böse Federn lassen.

Wegen eines solch belanglosen Geschehens lässt sich die BILD-Zeitung zu folgender, reißerischer Überschrift hinreißen:

JÄGER SCHIESST RADFAHRERIN NIEDER!

Weiter findet sich im Text:

Polizisten ermitteln schnell, dass ein Stadt-Jäger geschossen hat. Der behauptet, alles sei ein Unglücksfall, ein Querschläger aus seinem Kleinkalibergewehr (5,6 mm) hätte die Radfahrerin versehentlich in den Oberschenkel getroffen.

Wieso soll es sich lediglich um eine „Behauptung“ handeln? Und auch  die Frage, weshalb die Radfahrerin bereits kurz vor 9 Uhr in einem Stadtpark unterwegs war, scheint die die Polizei nicht weiter zu interessieren!

Marc Langentepe (51), Sprecher der Stadt Lübeck: „Das ist natürlich unverantwortlich!“ Zur Entenjagd: „Der Jäger war unterwegs, weil es eine Überpopulation gibt.

Das eine Überpopulation an Radfahrern gibt, ist hinlänglich bekannt. Man sehe sich nur einmal dieses Foto an:

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Überpopulation: Radfahrer ohne Ende! Wie lange sollen wir Jäger das noch hinnehmen?

Die BILD fabuliert munter weiter:

„Die untere Jagdbehörde wird die Zuverlässigkeit des Mannes prüfen und entscheiden, ob er den sichergestellten Jagdschein und seine Waffenbesitzkarte zurückerhält.“ Die Polizei leitete gegen den Jäger ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung ein.

Auf die Idee, gegen die Radfahrerin zu ermitteln, kommt die ehrenwerte Polizei natürlich nicht. Nun gut, der Jäger ist mit dem Schrecken davon gekommen – aber wer ersetzt ihm die wertvolle, vergeudete Munition? Auch in Bergfelde kam es zu einem Zwischenfall. Dort hielt sich ein Fußgänger ohne ersichtlichen Grund im Wald auf. Offensichtlich wundert er sich trotzdem heftigst darüber, dass er von einer Kugel erwischt wurde:

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Die verlogene BILD-Zeitung macht aus einem Schuss auf einen Menschen gleich einen „Mordversuch“. Offenbar sollen beflissene Jäger unter Generalverdacht gestellt werden!

Aus dem Bericht:

Um 20.15 Uhr war ein Spaziergänger (54) auf dem „Wiesenweg“ durch einen Schuss in den Bauch lebensgefährlich verletzt worden. Der Mann war nach bisherigen Ermittlungen auf dem Heimweg, als er aus dem Wald angeschossen wurde. Er war schon fast zu Hause, als er plötzlich einen lauten Knall hörte. Im nächsten Moment spürte er einen stechenden Schmerz im Bauchbereich.

„Wiesenweg“ – da hört man schon am Klang, dass das eher ein Aufenthaltsort für Förster, Fallensteller und Jäger ist … und kein Wanderpfad für irgendwelche Leute, die zufällig in der Nähe wohnen. Völlig übertrieben auch diese Überschrift:

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Na und? Warum soll ein Jäger ein vögelndes Pärchen denn nicht für ein Wildschwein halten?

Die BILD dramatisiert:

Abends ist dort (Nauen bei Berlin) ein Jäger unterwegs, will Wildschweine jagen. Er parkt seinen bulligen VW-Pick­up – und geht von einem Hochstand aus auf die Pirsch. 

Parallel hatten es sich eine 23-Jährige und ihr Begleiter auf einer Decke gemütlich gemacht. Was wollten die beiden dort? Wissen sie denn nicht, dass ein Jäger nicht zwischen Liebespaaren und Wildschweinen unterscheiden kann. Es kam, wie es kommen musste:

Der Jäger legt gegen 20 Uhr die Flinte an [….] Doch statt einem Wildschwein trifft das Projektil den Mann und seine Begleiterin! Die Kugel durchschlägt den Mann. Danach dringt das Geschoss in linken Arm der 23-Jährigen. Der alarmierte Notarzt kann nur noch den Tod des Mannes feststellen. Die 23-Jährige wird notoperiert. Noch konnte sie nicht vernommen werden.

Man darf gespannt darauf warten, mit welchen Worten sich die junge Frau wohl herausreden wird. Wahrscheinlich ist ihr gar nicht klar, was sie dem redlichen Jäger da angetan hat. Vielleicht wird ihm wegen des „Vorfalls“ für einige Wochen sogar der Jagdschein entzogen. Das muss man sich mal vorstellen! Auch wenn im Wald und Flur immer wieder Menschen durch Jäger zu Tode kommen oder ihnen irgendwas abgeschossen wird, darf man daraus keine falschen Schlüsse ziehen. Die Konsequenz eines Jagdverbots wäre ja, dass dann auch keine Tiere mehr erschossen werden. Die würden dann einfach so im Wald herumlaufen. Das kann in Niemandes Interesse liegen.

Die BILD-Zeitung spinnt indes fleißig weiter herum:

„Es gibt zwei wichtige Grundregeln beim Jagen“, erklärte Torsten Reinwald, Pressesprecher des Deutschen Jagdverbandes gegenüber BILD. Man muss das Tier „ansprechen“ heißt es auf Jägerdeutsch. Übersetzt: „Ich muss das Tier so genau sehen, dass ich weiß, welches es ist, ob männlich oder weiblich, ob trächtig.“

So ein kolossaler Blödsinn! Demnächst soll ich die Wildsau wohl auch noch fragen, ob sie „Ute“ oder „Horst“ heißt, ob sie römisch-katholisch oder russisch-orthodox ist? Schon im Wilden Westen galt die Faustregel: „Erst totschießen, dann fragen!“

Die Jagd wird und muss weitergehen!

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